Hochwasser-Alarmstufe 2 in Halle: Pegel unter fünf Meter
Hochwasser-Lagebericht von Martin Schramme | letzte Aktualisierung: 29.01.2011, 11:17 Uhr

Wasser auf dem Rückzug am Spielplatz auf der Peißnitz am 24.01.2011 | Foto: Martin Schramme

Foto (Schramme): Wasser auf dem Rückzug am Spielplatz auf der Peißnitz am 24.01.2011
Hochwasser-Bilder aus Halle | aktueller Saale-Pegel
Hochwasser-Alarmstufen in Halle: 1 ab 4.00 Meter, 2 ab 4.50 Meter, 3 ab 5.50 Meter, 4 ab 6.30 Meter
Die Überschwemmungsflächen in Halle sind im Umweltatlas ausgewiesen.

Bericht vom Mittwoch, 19.01.2011: Die Lage entspannte sich weiter. Der Saale-Pegel in Halle-Trotha fiel im Laufe des Tages unter 6,30 Meter. Damit gilt nur noch Alarmstufe 3. Am Gimritzer Damm wurde die Rücknahme der Sandsackbarriere vorbereitet. Grundwasser blieb weiter ein Problem.

Bericht vom Dienstag, 18.01.2011: Der Pegel sank am Dienstag weiter auf 6,63 Meter (Pegel Halle-Trotha um 21 Uhr), allerdings wuchsen die Grundwasserprobleme im Stadtteil Halle-Neustadt. An der B 80 waren drei Stellen mit Planen und Sanddecken gegen Durchsickerung gesichert. Trotzdem stand Wasser im angrenzenden Wassergraben neben der Bundesstraße. Aus den Kellern des Finanzamtes und der Stasiunterlagenbehörde am Gimritzer Damm musste weiter Wasser gepumpt werden. Die Tiefgarage am Multimediazentrum wurde wieder freigegeben. Der Krisenstab musste indes die Warnung wiederholen, dass jegliche Bootfahrten im Hochwassergebiet strengstens untersagt sind. Es kam mehrfach zu Verstößen.

Bericht vom Montag, 17.01.2011 (Hochwasser-Alarmstufe 4 in Halle: Lage weiter angespannt): Bis 19 Uhr war der Pegel in Halle-Trotha auf 6,83 Meter gefallen, nachdem die Saale in der Nacht zuvor seit etwa 19 Uhr für fast zehn Stunden bei 6,92 Meter verharrt hatte. Die Lage war am ganzen Tag weiter angespannt, unter anderem weil es hinter den Deichen in Halle-Neustadt trotz der über 100 Pumpen umfassenden Brunnengalerie zwischen Eissporthalle und Südpark wachsende Grundwasserprobleme gab. Unter anderem in die Kellerräume des Finanzamtes am Gimritzer Damm drang weiter Wasser ein und musste abgepumpt werden. Der Gimritzer Damm war am Sonntag teilweise vorsorglich mit Sandsäcken erhöht worden. Während der Sicherungsarbeiten waren Fahrbahn und Fußweg entlang des Dammes voll gesperrt worden. Sickerstellen am Hochwasserdamm an der B80 wurden mit Sandsäcken abgedichtet. Durch eine Sandsack- und Folienbarriere haben großere Schäden am Multimediazentrum verhindert werden können, teilte der Krisenstab mit. Die Mühlpfortbrücke wurde in den Nachmittagsstunden wieder freigegeben und von Schwemmgut beräumt. Feuerwehr, THW, DRK, DLRG, Polizei und Ordnungsamt waren am Montag erneut unermüdlich im Einsatz.

Bericht vom Sonntag, 16.01.2011 (6,92 Meter Hochwasser in Halle: Dramatische Zuspitzung der Lage): Aktueller Pegel 6,92 Meter (Stand: 22 Uhr)! Die erwartete zweite Welle ist da und hat die Höhe der ersten bereits übertroffen. Am Sonntag stieg das Wasser deutlich. Regen- und Tauwasser aus dem Einzugsgebiet der Saale beginnen sich den Weg durch Halle zu bahnen. An der Brunnengalerie in Halle-Neustadt hat es weitere Ausfälle gegeben, die nach Aussage des Katastrophenstabes der Stadt aber kompensiert werden konnten. Am Passendorfer Teich wurden Durchsickerungen und Blasenbildungen festgestellt. Durchsickerungen wurden auch vom Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ) gemeldet. Für das Finanzamt in der Selkestraße (liegt in Halle-Neustadt hinter dem Gimritzer Damm/Deich) wurden Pumpen bereitgestellt. 11.15 Uhr wurde der Gimritzer Damm in beiden Richtungen voll gesperrt, um den Deich ungestört verstärken zu können. Im gesamten Stadtgebiet Halle waren am Sonntag 23 Straßen wegen des Hochwassers gesperrt - das Rive-Ufer war komplett überflutet. Die Evakuierung des Alten- und Pflegeheims an der Ankerstraße 3a drohte, weil bei einem Wasserstand von 7,10 Meter der Strom abgeschaltet werden müsste. Die verbliebenen elf Bewohner des Gutes Gimritz wurden von Rettungskräften im Kontrollgang aufgesucht und durften weiter bleiben.

Bericht vom Samstag, 15.01.2011: In Halle galt weiter die Alarmstufe 4 und damit der höchste Hochwasser-Alarm. Über Nacht stieg der Pegel erneut an auf 6,43 Meter am Morgen und 6,68 Meter um 23 Uhr. Mit einem weiteren Ansteigen - jedoch nicht über 7 Meter - wurde gerechnet. Experten meinten, dass der Pegel bis Mittwoch um 6,60 Meter pendeln dürfte. Die Zuflüsse aus Unstrut und Weißer Elster waren stabil. Am Freitag (14.01.) gegen 15 Uhr ist die zweite Saale-Welle in Bad Kissingen (Franken) durchgelaufen.

Bericht vom Freitag, 14.01.2011: Im Laufe des Tages zog sich das Wasser auf einen Pegel um 6,27 Meter weiter zurück und gab die Talstraße frei. Ergiebiger Regen sowie starkes Tauwetter im gesamten Saale-Einzugsgebiet mit den ebenfalls Hochwasser führenden Nebenflüssen Unstrut, Ilm und Weiße Elster sorgten jedoch dafür, dass von Entspannung der Lage keine Rede sein konnte. Für die nächsten Tage wird eine zweite Hochwasserwelle erwartet. Der Krisenstab in Halle schloss am Freitag nicht aus, dass dann der letzte Höchststand von 6,83 Meter noch übertroffen werden könnte. Deswegen wurden an den Schwerpunkten Planena und Burg in der Elster-Aue, Mitteldeutsches Multimediazentrum MMZ und Eissporthalle weitere Sandsäcke gestapelt. Ferner wurde der Deich Gimritzer Damm verstärkt. Wegen des vorübergehend niedrigeren Wasserstandes der Saale durften die evakuierten Bewohner des Gutes Gimritz auf der Peißnitz kurzzeitig ihre Wohnungen aufsuchen. Indes sorgte die Ausgabe der Sandsäcke durch die Stadt für 50 Cent pro Sack für wachsenden Unmut unter den Hallensern.

Bericht vom Donnerstag, 13.01.2011 (Neue Flutwelle droht): Beim gestrigen Höchststand von 6,83 Meter ist auch das Raumflugplanetarium auf der Peißnitz-Insel in Mitleidenschaft gezogen worden. Der kritische Punkt für das Gebäude liegt bei 6,80 Meter. Im Laufe des Tages ist das Wasser sichtbar zurückgegangen auf unter 6,40 Meter (Pegel Halle-Trotha). Das Betreten der Teiche sowie Bootsfahrten auf der Saale sind weiter strengstens verboten. An zahlreichen Gebäuden entlang der Saale liefen Wasserpumpen auf Hochtouren. Weiter Sandsäcke wurden ausgegeben und verbaut unter anderem in Halle-Planena und am Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ). Trotz sinkender Pegel ist noch keine Entwarnung in Sicht, da bis in den Saale-Oberlauf in Franken erneut starkes Tauwetter eingesetzt hat. Hinzu kommt Starkregen von bis zu 50 Liter pro Quadratmeter. Aufgrund der aktuellen Witterungslage ist mit einem anhaltend hohen Pegelstand auch in der kommenden Woche zu rechnen. Ein erneuter Anstieg der Saale ist trotz noch vorhandener Talsperrenkapazitäten am Saale-Oberlauf nicht auszuschließen.

Bericht vom Mittwoch, 12.01.2011 (Scheitel bei 6.83 Meter überschritten): In der Nacht zum 12. Januar ist der Saale-Pegel weiter angestiegen auf 6,83 Meter (Pegel Halle-Trotha) in den Morgenstunden. Zahlreiche Straßen und Zugänge entlang der Saale und der Elster-Aue wurden gesperrt, darunter die Zufahrt von Halle-Silberhöhe/Halle-Wörmlitz nach Röpzig, wo die Hauptstraße in der Ortslage Röpzig über Nacht vom Wasser ebenfalls erfasst wurde. Auch die Brücke zur Rabeninsel blieb gesperrt, wo das Wasser über den Weg entlang der Saale auf die Insel flutete. Einige Bewohner des Gutes Gimritz, die sich am Vortag geweigert hatten, ihre Wohnungen zu verlassen, durften in ihren Häusern bleiben. An der Brunnengalerie Halle-Neustadt fielen die Pumpen der Brunnen 26 und 29 aus. Mit einem Anstieg des Grundwasserspiegels im Bereich des Finanzamtes am Gimritzer Damm wurde gerechnet. Das Mitteldeutsche Multimediazentrum (MMZ) wurde mit Sandsäcken und Deichfolie gesichert. Der Abwasser-Hauptsammler der Saalestadt war überflutet, transportierte aber weiterhin das Abwasser zuverlässig in die Kläranlage, teilten die Stadtwerke mit. Im Laufe des Tages fiel der Pegel leicht, während die Temperaturen, die schon in der Nacht über Null Grad lagen, leicht anstiegen und vom Westen her Regenwolken auch Halle erreichten. Am Oberlauf der Saale in Franken wurde mit Starkregen gerechnet.

Bericht vom Dienstag, 11.01.2011: Ein Krisenstab wurde eingerichtet. Die Hilfskräfte waren vor allem am 11. Januar 2011 (Dienstag) mit Absperrmaßnahmen, der Beseitigung von Treibgut, der Sicherung der Deiche und der Evakuierung betroffener Wohnbereiche beschäftigt. Dienstag, ab 13 Uhr wurden die Bewohner des Gutes Gimritz auf der Peißnitz-Insel, darunter Bewohner eines Seniorenheims, evakuiert. Überflutet sind auch die Pferderennbahn und die Talstraße. Vom Wasser eingeschlossen oder überflutet sind zudem die Eissporthalle, die Rabeninsel und der südliche Ortsteil Planena in der Elster-Aue (Weiße Elster = Nebenfluss der Saale). Die Stadt hat die Ausgabe von Sandsäcken organisiert (www.sandsack.info).

Zum Hochwasser kam es, nachdem auf den schneereichen Dezember 2010 in der ersten Januar-Häfte 2011 eine rasante Schneeschmelze und ergiebige Regenfälle folgten. Auch der Pegel der Saale stieg stark an und zog in zwei Wellen durch Halle. Stand das Wasser am 6. Januar noch bei 3 Meter, erreichte es in der Nacht zum 12. Januar erst bei 6,83 Meter den Scheitelpunkt, exakt den Wert des Saale-Hochwasserscheitels am 16. April 1994, und sank leicht. Eine zweite Welle folgte am 16. Januar und erreichte sogar 6,92 Meter. Es lag damit über dem Rekordhochwasser von 1994 und nur knapp unter dem Extremhochwasser von 1946. Noch runde zwei Meter höher waren allerdings die verheerendsten Hochwässer der halleschen Stadtgeschichte vom März 1595 und vom Februar 1799. Der Pegel lag damals bei 9 Meter. Entsprechende Marken sind an der Giebichensteinbrücke (Talstraße) und an der Neumühle (Mühlpforte) zu finden.