Edith wünscht unterhaltsames Schmökern. Wer diese Gedichte mit anderen teilen möchte, kann das gerne tun. Bitte übernehmen Sie die Gedichte jedoch komplett mit Autoren- und Ortsangabe und im Idealfall mit einem Link auf diese Seite, denn Urheberrechte zu achten heißt, schöpferische Arbeit zu respektieren. Schreiben kann jeder, Schreiben nicht.
Der Winter weicht, das Eis gebricht.
Mit mildem Odem kommt die neue Zeit.
Das erste Grün erwacht und strebt zum Licht.
Es lacht das Herz, es hüpft und schreit.
Die Erde atmet auf nach langer Nacht.
Die Knospe öffnet still ihr zartes Kleid.
Mit neuer Kraft ist das Leben erwacht.
Der Frühling wärmt uns und befreit.
Auf dem göttlichen Azur
ziehen Wolken ihre Spur.
Niemand weiß, wohin sie geh'n.
Doch ist es schön, sie anzuseh'n.
Leicht könnte man hier sicher fragen,
warum sie sich nach oben wagen.
Ganz einfach: Es ist schön zu fliegen
und sich im frischen Wind zu wiegen.
Du schillerst so schön rot
und streichelst meine Kehle.
Wer dich nicht mag, ist tot
und hat auch keine Seele.
Wein, mein Guter, Wein voll Leben:
Du bist genial, weil genial schlicht.
Ein Glas mit Dir möcht’ ich erheben,
weil aus dir die Wahrheit spricht.
Dein Körper ist aus edler Seide,
in der Dein heißer Atem lebt
und sanft das leblose Geschmeide
hinauf in lichte Höhen schwebt.
Ballon, du runder, Ballon voll Leben.
Du bist genial, weil genial schlicht.
Im Abendrot mit Dir losschweben.
Das nimmt von mir jedes Gewicht.
Ich kann dich leider niemals sehen,
doch hören kann ich dich ganz gut
und meine Schritte nach dir gehen,
wo du bist, bekomm’ ich Mut.
Musik, du schöne, Musik voll Leben:
Du bist genial, weil genial schlicht.
Mit dir träumen, weinen, beben.
Ein wahrer Zauber aus dir spricht.
Ich kann dich nicht einmal berühren,
doch du strömst durch alle meine Glieder.
Du kannst zu allem mich verführen.
Du hebst mich auf und streckst mich nieder.
Liebe, Sonne, Liebe, mein Erleben.
Du bist genial, weil genial schlicht.
Dich zu spüren, Dich zu geben.
Du bringst in die Seelen Licht.
Du ziehst mich locker aus und an.
Ich kann dich schwerlich ignorieren.
Du forderst alles, nimmst mich ran.
Gegen dich muss ich verlieren.
Lust, du Tier, Lust am Leben.
Du bist genial, weil genial schlicht.
Dir nachgeben und abheben.
Sag mir, was dagegen spricht!
Deine Kinder sind hier Fremde.
Deine Alten fragen „Wie?“
Alles anders, alles Chaos.
Deutschland, Dir fehlt die Chemie.
Du warst irgendwann mal gestern.
Was wir sagen, hört man nicht.
Heimatliebe gilt als böse.
Deutschland, Du hast kein Gesicht.
Du brauchst endlich Deinen Frieden.
Doch man lässt Dich nicht in Ruh.
Wenn Du ehrlich bist und grade,
schlägt man Dir die Türen zu.
Zweimal hast Du Dich gerüstet.
Zuviel national und Krieg.
Stark und brav will keiner glauben.
Deutschen gönnt man keinen Sieg.
Büchse, Flasche und Papier
Liegt und fliegt hier kreuz und quer.
Niemand ist es dann gewesen.
Der Müll kommt wohl vom Himmel her.
Und du fragst dich …
Ist doch alles nicht so schwer.
Manche sehen das wohl anders
Und ein Korb ist sogar leer.
Klara Müller kehrt den Gehsteig.
Bückt sich knirschend nach Papier.
Schöne Wege sind halt schöner.
60 Jahr’ wohnt sie schon hier.
Selbst auf ihre alten Tage
Lässt sie keinen Einsatz aus.
Doch seit Jahren schon vermehrt sich
Dreck vor ihrem schönen Haus.
Und du fragst dich …
Wie kann man hier nur gehen,
ohne Klaras Tun zu ehren
und sich etwas vorzusehen?
Rambo ist ein stolzer Rüde
Und zeigt allen sein Revier
Scheißt und pisst an jede Ecke
Und das sieht man im Quartier.
Denn sein Herr lässt alles liegen,
was das Tier nach draußen presst.
Bücken sollen sich mal and’re.
Ich bin hier, wen schert der Rest.
Und Du fragst dich …
Was für Leute leben hier?
Wenn sich jeder mal besönne,
fände man auch schnell zum Wir.
Die Sonne sinkt, färbt alles Rot.
Es wird Abend in der Straße.
Klara schaut jetzt in die Röhre.
Grillgeruch liegt in der Nase.
Mancher mag sich gern besinnen
Bei Buch und Wein und Knabberei.
And’re zieh’n jetzt um die Blöcke
Mit Schnaps und Bier und viel Geschrei.
Und Du fragst dich …
Warum müssen diese Geigen
Hier so schräg die Seiten reißen
Und so wenig Rücksicht zeigen?
Diese Bande kennt kein Morgen.
Klara greift zum Telefon.
Sie will nun zu gerne schlafen.
Blaulicht blitzt, da sind sie schon.
Ich bin von wahrem Bilder-Adel:
Ich mahle alles ohne Tadel.
Rubens, Dürer und van Gogh
- ich bin der reinste Bilderschock.
Denn Maler bin ich leider nicht,
auch wenn es Euch die Herzen bricht.
Im Malen steckt bei mir als Füller
ein "h", denn ich bin Bilder-Müller.
Langsam wächst der Drang,
sich einfach zu bewegen.
Sanft entfaltet sich der Zwang,
sich weiter zu erregen.
Die Musik erlangt Gewalt.
Die Körper expandieren.
Das Sein verändert die Gestalt,
bis alle Sinne explodieren.
Schweiß rinnt auf der Haut.
Adrenalin betäubt die Geister.
Aus den Tiefen schreit es laut.
Musik macht neue Meister.
Die Tänzer winden sich wie Schlangen.
Ihre Glut erfüllt den Raum
und die Lust, sich zu umfangen.
Sie haben ab in einem Traum.
Nichtig ist die Welt ringsum.
In ihre Aura dringt kein Wort.
Sie schwingen im Delirium
und sind schon lange fort.
Endlos treiben sie die Töne.
Zeit und Raum verlieren ihre Dimension.
Ohne sie bleibt nur das Schöne.
Fantastisch, diese Eruption!
Zwei Körper bilden einen Guss
und wiegen sich im Ganzen.
Geschloss’ne Augen steigern den Genuss,
das Schönste, das Größte: Tanzen!
In Schnee gehüllt der deutsche Wald
scheint friedlich nur zu träumen.
Der Puls ist weg, die Seele kalt,
nicht nur in Deutschlands Bäumen.
Auto, Geld und Hund und Bier
- Hektik, Stress und Streben -
hier denkt man Ich und selten Wir;
kein Platz mehr ist für wahres Leben.
Ringsum Jammern zwar und Frust.
Ruf nach Änderung, Gestöhne.
Doch statt froher Lebenslust
erstarken wieder rechte Töne.
Ob Arbeitseifer oder Hass:
Extreme zwischen Oder, Rhein.
Ein Blatt im Rasen bringt in Brass.
Nichts Neues aus St. Michelheim.
Kleinkarierte Bürokraten verwalten
Egoismus, Spießertum und Neid.
Was lässt sich hier denn noch gestalten?
Hoch lebe die Bequemlichkeit!
Was and’re lassen soll’n und tun,
das weiß man hier genau.
Ob Russland, Peru und Gabun
- deutsch sein heißt auch oberschlau.
Die Tugend wähnt man hier gepachtet,
auch wenn Moral wie Geist verfällt.
Wer anders denkt, wird gern verachtet.
Der Widerspruch ist abgestellt.
Ob Techno oder Volksmusik
- die Deutschen exerzieren.
Bieder ist die Republik
und liebt reglementieren.
Die Schränke voll, die Bäuche satt.
Besucher sind verdächtig.
Drum gibt man selten, was man hat.
Kleingeist gedeiht hier prächtig.
Was uns gefällt, wird Eigenlob,
was nicht, ist Schuld vom Staat.
Der Judenmord war so gottlob
nur Hitlers schlimme Tat.
Dabei gefiel ihm deutsches Land,
weil’s streng geregelt funktioniert
und fleißige Vollstreckerhand
am liebsten salutiert.
Vögel schweben durch die Luft
- Liebreiz über einem Blütenmeer -,
atmen einen Cocktail Duft.
Ein Reh äugt sanft vom Walde her.
Kristall mäandert durch den Grund,
spiegelt all das Schöne wider,
schroffe Kanten macht es rund
und schlägt alles Trübe nieder.
Von hier die Stadt ist g’rad zwei Stunden,
zwei Stunden fern von Lärm und Dreck
hab ich den Frieden doch gefunden,
hier an diesem unberührten Fleck.
Die Zeit will nicht
warten und nicht steh'n.
Durch Veränderung
ist sie zu seh'n.
Die Zeit wird nicht
enden, nicht beginnen.
Die Zeit ist überall
und niemand kann entrinnen.
Luther, Händel, Francke, Sitte
- Kunst und Glaube sind vereint.
In Europas gold’ner Mitte
ist viel mehr, als man so meint.
Perlen liegen oft verborgen,
wo nicht jeder sie erkennt.
Doch wir wollen Dir verraten,
dass man diese HAL-LE nennt.
Seichtes Nass im Frost gefangen.
Sonnenlicht tanzt auf dem Eis.
Er küsst Ihr die kühlen Wangen
lieb und sanft und lang und heiß.
Einfach ist, was Freude macht.
Wäldchen still und klein und licht.
Ihre Hände streicheln sacht
Ihn - sein lächelndes Gesicht.
Verfluchtes Grau der kalten Zeit,
als Fröste fegten über’s Dach.
Nur schade um das weiße Kleid.
Es rinnt ins Tal in einem Bach.
Bunt gesäumt sind Weg und Feld.
Der Acker trägt jetzt schwere Erde.
Die Bauern haben ihn bestellt,
auf das bald etwas wachsen werde.
Eine Hasenspur im letzten Schnee
und die Vögel trällern munter.
Im Busch da knackt ein junges Reh.
Es ist ein wahres Wunder.
Aus tiefem Schlaf erwacht sie nun
der Mutter Erd’ Natur.
Im Gras da hockt ein Osterhuhn.
Vom Winterschlaf bleibt keine Spur.
Die Häuser sind ganz tief verschneit.
Der See ist zugefroren.
Ein jeder friert um diese Zeit,
besonders an den Ohren.
Ein weißer Mann steht da beim Haus
und eine Möhre ziert den Kopf.
Schwarz sehen seine Augen aus
und oben auf ihm sitzt ein Topf.
Der Chef ermunterte, frei zu sprechen:
"Mir kann man alles sagen."
Doch keiner stellte irgendwelche Fragen.
(Offenheit kann sich auch rächen.)
Der Chef versprach eine Amnestie:
"Niemand wird gerügt für seine Fragen.
Hat vielleicht doch jemand was zu sagen?
Wir haben doch Freiheit und Demokratie."
Da wagte doch jemand aufzusteh’n.
Er sah in den Gesichtern die Fragen
und versuchte, was er sah, zu sagen.
Der Chef gab zu: "Das ist einzuseh’n."
Man notierte Punkte, in der Summe zehn.
Der Chef bat, sie mit zu gestalten.
Doch es blieb alles beim Alten.
Der Chef lud ein. Nur einer musste geh’n.
Sieh, da sind Interessen!
Die Einen wollen vergessen;
und sagen nur, was ihnen nutzt.
Die Wahrheit wird zurechtgestutzt.
Jede Zeit hat ihren Blick
und schaut entsprechend auch zurück.
So bleibt stets was im Dunkeln liegen:
Propaganda pur und Balkenbiegen.